Umfrage der FTD bringt eindeutiges Ergebnis: Steigender Leitzins erwartet
In den vergangenen Monaten war keine Wende in Sicht. Die Konjunktur lag brach, die Rezession wütete wild und trieb manches Unternehmen ins Aus, andere in die Kurzarbeit. Auch die Finanzwirtschaft hatte allerorten noch viele Probleme, weshalb der Leitzins vom Rat der Europäischen Zentralbank auf dem historischen Tief von 1,00 Prozent belassen wurde. Nun aber steht eine Zeitenwende an – und viele Experten erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine Zinserhöhung (die historische Entwicklung der wichtigsten Leitzinssätze können interessierte Leser unserer Seite http://www.tagesgeld-vergleich.net/leitzins.html entnehmen).
Laut der „Financial Times Deutschland“ und ihrer aktuellen Zinsumfrage erwarten 55 Prozent der befragten Volkswirte eine Zinssteigerung hin zum Oktober 2010. Immerhin 40 Prozent erwarten, dass der Leitzins gleich bleibt, und gar fünf Prozent gehen davon aus, dass der Leitzins der Europäischen Zentralbank gar noch weiter fallen wird.
Für die FTD-Zinsumfrage wurden Volkswirte von 23 Banken befragt. Oft ist durch diese Art der Umfragen auch eine Tendenz abzulesen, wie es in Zukunft weitergehen wird. Ganz neben der Realität werden wohl jedoch jene fünf Prozent liegen, die eine weitere Senkung des Leitzinssatzes erwarten. Dies ist höchst unwahrscheinlich, nachdem die Rezession nun Adieu gesagt hat und der Aufschwung langsam in die Hufen kommt. Eine weitere Zinssenkung würde niemandem etwas bringen und würde, als Steuerungsmittel der Geldmarktpolitik dann sinnlos verpuffen. Der Rat der Europäischen Zentralbank hatte den Leitzins extra nur auf 1,00 Prozent gesenkt, damit noch ein guter Puffer nach unten vorhanden ist und eben nicht die Null-Zins-Politik gewählt wie die Notenbank der USA und die von Großbritannien, die viel zu früh den Leitzins gesenkt hatten und letztlich gar nichts mehr damit bewirkt haben.
Natürlich hätte die EZB den Leitzins weiter senken können, um zu versuchen, den Geldmarkt noch mehr zu steuern und die Kreditklemme für Unternehmen, die unbestreitbar da ist, vielleicht zumindest ein wenig ab zu puffern. Ob dies jedoch wirklich gelingen würde, konnte niemand im Vorfeld sagen, wodurch sich die Europäische Zentralbank dann dazu entschied, dieses Experiment nicht zu wagen und lieber auf dem 1,00 Prozent-Niveau zu bleiben und sich den Puffer zu bewahren, falls die Krise noch schlimmer werden würde.
Nun aber ist die Krise in ihren letzten Atemzügen. Es hat weltweit die Finanzmärkte getroffen, in vielen Ländern wurde die Wirtschaft beschädigt und die Konjunktur entweder ausgebremst oder in die Tiefe gerissen. Der Herbst 2009 bringt jedoch nicht nur Herbststürme und fallende Blätter mit sich, sondern auch eine wirtschaftliche Erholung und einen weiteren Aufschwung. Und genau diesem wird wohl auch die Europäische Zentralbank bald Rechnung tragen und den Leitzins wieder allmählich erhöhen. Im Moment jedoch ist der Leitzins noch auf dem Niveau, welches in die gegenwärtige Situation passt und deshalb auch angemessen ist, wie der Rat der EZB es auch selbst beschreibt.
Übrigens ist der Leitzins nicht nur etwas, das die Banken und die EZB zu interessieren hat. Ganz im Gegenteil. Er betrifft unseren Alltag, in dem er als Steuerungselement der Geldpolitik eingreift auf die Höhe von Zinsen für sichere Geldanlagen (Festgeld und Tagesgeld sowie andere Sparanlagen) sowie auf die Höhe von Kreditzinsen.
Ein Anstieg des Leitzinses wird in der Folge dann wieder dafür sorgen, dass die Zinsen für Geldanlagen wie zum Beispiel das Tagesgeld und das Festgeld wieder ansteigen werden. Aber auch die Kreditzinsen werden dann wohl wieder ein höheres Niveau erreichen, wohin gegen die Zinsen für Kredite im Moment auf einem guten Zinsniveau liegen. Wer deshalb einen Kredit aufnehmen möchte, sollte sich nicht mehr allzu lange damit Zeit lassen, denn in einigen Monaten werden die Zinsen für Darlehen aller Voraussicht nach wieder steigen. Wer hingegen auf Tagesgeld setzt, kann sich dann aller Voraussicht nach bald über steigende Zinsen aufs Guthaben freuen.
